05.04.1940
Der Kampf dauert hier jetzt schon über 3 Monate. Mit unveränderter Härte schlagen wir die Finnen zurück. Unsere Staffel hat sich bisher recht gut geschlagen. Wir sind das Geschwader mit den meisten Luftsiegen. Das hat natürlich auch seinen Preis – bei den Verlusten sind wir an 3.Stelle aller eingesetzten Luftgeschwader. Nichts desto trotz ist die Stimmung der Mannschaft recht ordentlich. Es sieht danach aus, dass die Finnen nun ihre letzten Reserven in den Kampf werfen.Aber gegen unsere „Rata’s“ und „Chaika’s“ haben sie wenig Chancen. Gestern erhielten Drakon und ich einen neuen Einsatzbefehl.Wir sollten eine Fabrikanlage samt Güterzug in einer kleinen Stadt ca. 50km Luftlinie von unserem vorgeschobenen Frontflugplatz entfernt, bombardieren. 5 TB-3 Bomber, eskortiert von 4 I-16 sollten für diese Aufgabe reichen, meinte das Oberkommando.„Die Finnen sind fertig! – Das wird ein Spaziergang, meine Herren“, sagte unser Feldkommissär. „Der hat gut reden“, dachte ich mir. „Der sitzt ja hier in der warmen Stube und wartet bis wir wieder heim kommen – wenn wir überhaupt heimkommen.“ Irgendwie hatte ich das Gefühl, mich auf ein Himmelfahrtskommando vorzubereiten.Die TB-3 war ein total veralteter Bomber, der eigentlich am Tag seiner Einführung 1933 schon nicht mehr den aktuellen technischen Anforderungen entsprach. Wir sitzen wie auf dem Präsentierteller – Höchstgeschwindigkeit so um die 170 – 180 km/h. Kein geschlossenes Cockpit, das Schutz bietet…

Unsere Jagd versuchte sich zwischen dem ersten Bomber und der Hauptformation zu bewegen, um bei Gefahr entsprechend eingreifen zu können.

Die Finnen kamen mit Fokker DXXI Maschinen von schräg vorne angeflogen.


Hektik setze ein – unser Begleitschutz hatte alle Hände voll zu tun.

Eine laute Explosion rüttelte mich aus meinen Gedanken. Hastig schaute ich was los war. Als ich links über den Flügel blickte, sah ich, dass Drakon’s TB-3 von einer Fokker gerammt wurde und beide Maschinen explodierten. Die Teile der beiden Flugzeuge fielen brennend vom Himmel. „Arme Schweine – das hat niemand verdient, so einen Abgang machen zu müssen.“
„Motor 2 ist ausgefallen. Verdammt! Und wo sind die anderen?“ Auf einmal hörte ich eine aufgeregte Stimme über Funk. „Hier spricht Bomber 5, werde angegriffen. Helft mir, sofort!“Ich legte die Maschine in eine leichte Linkskurve und sah, wie die letzte TB-3 unseres Schwarms von einer Fokker bedrängt wurde.„Ich komme zu Dir, halt aus!“ rief ich ins Mikrofon. Ich zog einen Linkskreis und hing mich auf die 9 Uhr Position des Bombers. So konnten wir unser Abwehrfeuer maximieren. Die Fokker hatte anscheinen genug und ließ ab.Unsere Jäger hatten in der Zwischenzeit auch eine gute Arbeit geleistet. Bis auf einen Gegner waren alle Feinde ausgeschaltet.


I-16 als „Flakreizer“ um das Ziel schwirrten. Da sah ich das nächste Problem auf mich zukommen. Dadurch, dass einer meiner Motoren ausgefallen war und Motor Nr. 3 schwarzen Rauch spuckte, verlor ich immer mehr an Höhe. Ich las meinen Höhenmesser ab. Er zeigte 850m an – Höhe fallend. Und zu allem Überdruss waren da noch Sperrballons über dem Zielgebiet.„Bomber an Jäger! – Könnt ihr die Sperrballons wegmachen? Ich schaffe es nicht mehr, Höhe zu machen. Bin auf 750m, weiter fallend!“ Wenn ich an einen Ballon stoßen oder mit einem Flügel ein Stahlseil kappen würde, wäre es um mich geschehen.Da sah ich, den ersten Ballon explodieren. „Gott sei Dank – sie machen mich gehört.“So schoss die Jagd einige Ballons ab, sodass wir zumindest eine geringe Chance hatten, zum Ziel durchzukommen. Bomber Nr. 1 war nun über dem Ziel – er warf die Bomben ab und traf die Industrieanlage.Volltreffer! Leider standen unsere Ziele woanders. Der Zug war unbeschädigt geblieben und die Flak schoss mit unverminderter Härte weiter. Der Bomber wurde von der Flak regelrecht auseinandergepflückt. Er drehte und kam uns nun entgegen. Alle Motoren rauchten und er zog eine gewaltige Spritfahne hinter sich her. Kurz nach der Stadt, die er gerade bombardiert hatte, musste er Notlanden. „Das möchte ich nicht erleben. Es soll ja schon zu Lynchjustiz durch die aufgebrachte Bevölkerung gekommen sein.“ so hörte ich zumindest von Kameraden auf unserem Stützpunkt. Ich blickte durch das Bombenzielgerät, justierte noch schnell die richtige Abwurfhöhe und Geschwindigkeit. Das Ziel rutschte aber nicht durch den Sucher – „Verdammt! Ich bin zu weit links. Dann halt ohne Zielgerät!“Ich wechselte wieder in die Pilotenansicht und drückte die Nase des Bombers runter. „Da ist der Zug! Er steht dampfend im Bahnhof, bereit zur Abfahrt.“Bomber Nr. 5 warf gerade seine Last ab und drehte dann ab. Hier verlohr ich ihn aus den Augen und habe ihn nie wieder gesehen.Ich drehte meine Maschine scharf nach rechts und als ich in ca. 500m über dem Ziel war, klinkte ich die Bomben aus. Leider trafen auch meine Bomben das Ziel nicht. Ich drehte Richtung Heimatkurs und als ich die Sperrballonzone verließ, setzte heftige Flak ein. Die Geschoße zischten links und rechts an der Maschine vorbei und ich wurde heftig durchgeschüttelt. Aber ich hatte Glück. Allmählich wurde der Beschuss weniger, bis er ganz aufhörte. Da hörte ich jemand rufen – „Motor 3 brennt!“Sofort brach wieder Panik bei mir aus. „Nur jetzt nicht abstürzen – bloß nicht. Du hast es bis hierher geschafft. Das kann doch nicht das Ende sein.“Ich löste den Feuerlöscher für Motor 3 aus. Der Brand war gelöscht, aber Motor 3 war jetzt ebenfalls ausgefallen.Mit nur noch 2 Motoren und 100m über Grund schleppte ich mich weiter Richtung Gartenzaun. „Verliere an Geschwindigkeit und Höhe“ – glaube nicht, dass ich es bis nach Hause schaffe.“ rief ich ins Mikrofon.Die Jäger antworteten: „Schau, dass Du zumindest 200m Höhe machen kannst, dann steig aus. Und schau, dass Du nicht über Waldgebiet abspringst. Oder Du versuchst eine Notlandung.“ Ich hielt jetzt die Maschine mit 120km/h 100m über dem Boden. Die Motoren auf vollem Anschlag. Ich verlor noch immer Treibstoff aus den Lecks im Flügel. Ich flog nur über unbewaldetes Gebiet und war schon auf der Suche nach einem Platz für eine Notlandung.Da passierte das Unglaubliche – die Maschine machte langsam Höhe! Durch das geringer werdende Gewicht, schafften die beiden verbleibenden Motoren, die Geschwindigkeit auf 140km/h zu erhöhen, sodass der Bomber leichten Auftrieb bekam. Mein Herz machte einen Freudensprung.
„Jungs, wir kommen nach Hause!“ rief ich durch den Äther. Nach weiteren 20 Minuten endlosen Flug, sah ich den Gartenzaun. Die Anflugkontrolle meldete: „Landen Sie selbständig“.

Für uns ist es nur ein „Spiel“, das uns aber jeden Moment daran erinnert, was Menschen vor über 70 Jahren tagtäglich erleben mussten.
Für mich ist diese Simulation ein Teil von Geschichtsbewältigung und bewirkt bei mir, dass ich reale Kriege verabscheue und mir das daraus ergebende Leid „zumindest etwas vorstellen“ kann.NIE WIEDER KRIEG!FG28_Peterace am 16.02.2010










